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Forschung & Technologie

Lassen wir uns in die Zukunft fahren?

6th Jul '16

Ein tödlicher Unfall mit Autopilot. Diese Nachricht sorgte in den letzten Tagen für Aufsehen. Das Fahrzeug, was zur Testflotte von Tesla gehörte, kollidierte an einer Kreuzung mit einem Sattelschlepper, kam anschließend von der Straße ab und knallte gegen einen Strommast. Sofort wurden im Netz Stimmen laut, die an der Sicherheit von selbstfahrenden Fahrzeugen zweifelten und sie am liebsten ganz verbieten würden. Dieser Unfall ist der erste bekannt gewordene tödliche Unfall eines autonom fahrenden Autos. Fakt ist, dass im normalen Straßenverkehr täglich Menschen sterben. Ist die Kritik an der Technik nun berechtigt oder nur Angstmacherei? Sitzen wir bald nicht mehr hinter dem Lenkrad sondern arbeiten oder schlafen während der Fahrt?

Grundsätzlich gibt es verschiedene Stufen autonom fahrender Autos. Einige Systeme, die z.B. Autos in freie Parklücken hineinmanövrieren oder die Spur halten, sind bereits heute erfolgreich im Einsatz. Auch gibt es Autopiloten, die es dem Fahrer erlauben, für einige Zeit die Hände vom Lenkrad zu nehmen und unter anderem automatisch die Spur wechseln, sobald man den Blinker setzt. Die Verantwortung für den Autopiloten liegt beim Fahrer. Die heutigen Systeme werden mittels modernster Technologie und Sensorik gesteuert und ständig weiterentwickelt.

Autonomes Fahren ist bereits weiterentwickelt, als vielen bewusst ist, und befindet sich in  einigen Ländern in der  fortgeschrittenen Testphase. Dies zeigt zum Beispiel  ein Projekt der Schweizerischen Post, die seit Juni autonom fahrende Smartshuttles im Kanton Wallis im öffentlichen Personennahverkehr testet. Langfristig sollen autonom fahrende Autos Senioren und behinderte Menschen wieder mobil machen, Staus verhindern und die Straßen sicherer machen. Für viele Automobilhersteller sind autonome Autos die Technik der Zukunft. Sie können unseren Verkehr revolutionieren.

Aber bevor dies passieren kann, müssen noch viele Fragen geklärt werden. Welche rechtlichen Voraussetzungen müssen geschaffen werden? Welche Gesetze geändert beziehungsweise verabschiedet werden?

Das Wiener Verkehrsabkommen von 1968 standardisiert weltweit grundlegende Verkehrsregeln. Dort steht unter anderem: „Jeder Fahrzeugführer muss unter allen Umständen sein Fahrzeug beherrschen, um den Sorgfaltspflichten genügen zu können und um ständig in der Lage zu sein, alle ihm obliegenden Fahrbewegungen auszuführen.“ Seit Herbst 2014 ist eine Ergänzung in Kraft, die es erlaubt, autonome Systeme im Fahrzeug haben, sofern sie jederzeit vom Fahrer abgeschaltet oder übersteuert werden können. Seit kurzem ist diese Gesetzeslage auch in Deutschland in Kraft. Dies erlaubt Automobilherstellern, ihre Technologie auf deutschen Straßen zu testen. Somit haben Systeme wie Spurhalte- oder Parkassistenten rechtliche Sicherheit in Deutschland. Autos wie das Google-Auto ohne Gas- und Bremspedal sind in Deutschland jedoch weiterhin nicht zugelassen.

Am wichtigsten bei der Diskussion über autonome Fahrzeuge sind jedoch die ethischen Fragen. Welches Leben ist bei einem Unfall mehr wert? Das eines Erwachsenen oder das eines kleinen Kindes? Wie programmiere ich das Auto so, dass es die richtige Entscheidung trifft? Welche Faktoren beeinflussen, wer gerettet wird und wer nicht? Kann ein Computer überhaupt eine ethisch richtige Entscheidung treffen? All diese Fragen und noch viele mehr sind längst nicht abschließend beantwortet und hoch kontrovers. Vermutlich kann ein Computer nicht eine ethische Entscheidung treffen und die Programmierer müssen diese schwierige Frage beantworten. Aber ist es überhaupt sinnvoll, dass ein Computer den Fahrern alle Entscheidungen abnimmt? Sind Entscheidungen nicht immer subjektive Reaktionen des Entscheidenden? Jeder Mensch würde in einer gefährlichen Situation anders entscheiden und solche Entscheidungen kann einem ein Computer nicht abnehmen. Er kann noch nicht denken wie wir. Vielleicht kann er das irgendwann in der Zukunft, im Moment müssen die Fahrer entscheiden.

Da diese wichtigen ethischen Fragen noch nicht geklärt sind, ist es unwahrscheinlich, dass in der nahen Zukunft viele komplett autonom fahrende Autos auf unseren Straßen unterwegs sein werden. Jedoch ist es wünschenswert, dass die Forschung immer weiter voranschreitet, damit irgendwann eine Mobilitätsrevolution stattfinden kann. Bis dahin: Hände ans Lenkrad und aufpassen!

 

Victoria ist 20, angehende Wirtschaftsingenieurin und verbringt ihre freie Zeit gerne mit Politik, Orchester oder genießt einen guten Wein.

Comments

  • Rainer Seiferth
    Posted at 3:26 1. Februar 2017
    Rainer Seiferth
    Antworten Author

    Super, Sie haben da so ziemlich alle Aspekte zum autonomen Fahren angesprochen. Es wird kommen, so sicher wie das Amen in der Kirche, allen Pannen und Rückschlägen zum Trotz. Allerdings ist der Weg dahin noch sehr weit, Sie haben es ja skizziert. Auch wenn das fahren nie gänzlich unfallfrei wird, die Unfälle aus „emotionalem Verhalten“ (freundlich ausgedrückt) wird es jedenfalls nicht mehr geben. Und das ist heute noch die Ursache Nummer 1. Immerhin fahren wir alle schon heute teilautonom: ABS, Navi, Einparkhilfe, auch die Stau- und Verkehrsmeldungen im Radio waren bereits Schritte in diese Richtung, selbst die flexiblen Verkehrsleitsysteme steuern uns seit Jahren bereits von außen. Autopiloten in der See- und Flugfahrt gibt es seit über 70 Jahren, und niemanden macht das mehr Angst. Schon im 2. Weltkrieg hatten die Amerikaner Flugzeuge, die autonom starten, fliegen und landen konnten, allerdings noch elektromechanisch und nicht digital. Die Ängste vor dem „Roboter“ sind, wie es die Ängste halt so sind, rein irrational.
    Auch das Bedingungslose Grundeinkommen wird kommen wie das Amen in der Kirche. Man könnte es in Anlehnung dazu als ein Autonomes Wirtschaften benennen. Ähnlich hoch sind die Hürden aller Art, ähnlich hoch emotional wird dieses Thema diskutiert, gehasst und geliebt. Dazu kommt noch, dass niemand weiß, wie die Märkte und die Migrationsbewegungen darauf reagieren. Ist sicherlich ein anderes Thema. Vielleicht mögen ja Sie oder eine Ihrer Kolleginnen etwas dazu schreiben? Würde mich sehr freuen! Beste Grüße aus Berlin – Rainer Seiferth

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