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Bildung

Frauen und MINT? Das passt!

23rd Mai '17

„Maschinenbau? Wie sieht die denn dann aus?“ Ja ich studiere Wirtschaftsingenieurwesen mit Fachrichtung Maschinenbau an der RWTH, aber ich mag meine Perlenohrringe, Nagellack und meine Schuhsammlung ist größer als sie sein sollte. Typische Maschinenbauerin? Gibt es nicht.

„Ist das nicht eher ein Studium für Männer? Kriegst du das überhaupt hin?“ Bei meinem Praktikum war ich die erste weibliche Praktikantin. Die Arbeitskleidung war nur ab Größe 46 verfügbar, man traute mir anfangs weniger zu, probierte die zehn schlechtesten Anmachsprüche aus der Bild an mir aus. Am Ende der zwei Monate wollte man mich nicht mehr gehen lassen und bot mir eine Ausbildung an. Die Praktikanten nach mir hatten ein schweres Los, da sie immer mit mir verglichen wurden. In meinem Studiengang sind 40% Frauen, bei den reinen Maschinenbauern immerhin 25%. Nein, Maschinenbau ist nicht eine Männerdomäne, wir Frauen können auch Maschinenbau!

Ja mein Studium ist hart, aber ja es macht mir Spaß. Meistens zumindest. In den Klausurphasen fluche ich auch öfters mal, aber das macht jeder, und am Ende habe ich doch wieder Spaß daran, mich mit verschiedenen Fertigungsverfahren oder Metallen zu beschäftigen. Und wenn ich dieses Wissen was ich im Studium erlerne, praktisch anwenden kann, merke ich, warum sich dieses Studium für mich lohnt.

Allerdings haben wir 2017 und es ist immer noch nicht selbstverständlich, dass Frauen MINT-Fächer studieren oder in dem Bereich arbeiten. Im Wintersemester 2014/15 waren lediglich 28% der Neueinschreibungen an Unis in den MINT-Fächern Frauen. Oft schlagen ihnen alte Rollenbilder und Skepsis für ihre Berufswahl entgegen. Uns wird weniger zugetraut. Nicht der nötige Biss sich durch das schwere Studium zu kämpfen, nicht die fachliche Kompetenz zugesprochen, wie sie bei Männern immer angenommen wird.

Frauen verdienen oft nicht so gut wie ihre männlichen Kollegen bei gleicher Qualifikation. Gründe dafür sind unter anderem die schwere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Karriere, weswegen viele Frauen zurückstecken. Hier herrschen leider noch alte Rollenbilder und männlich dominierte Kommunikations- und Arbeitskulturen vor und auch Netzwerke sind vorwiegend männlich. Dies muss sich dringend ändern!

Gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und immer neuen Technologien brauchen wir Frauen in diesen Jobs und auch im (Top-)Management. Ohne konkrete Vorbilder fällt es vielen Frauen schwer, sich für MINT-Berufe zu entscheiden. Wir sollten Frauen in ihrem Wunsch bestärken, das Studium eines MINT-Fachs anzufangen, anstatt zu fragen, ob ein sozialer Beruf vielleicht nicht besser passt. Es gibt schon viele Förderprogramme wie zum Beispiel den nationalen Pakt für mehr Frauen in MINT-Berufen, allerdings müssen wir mit der Begeisterung für technisch-naturwissenschaftliche Berufe schon deutlich früher anfangen. Mädchen können genauso gut mit Eisenbahnen und Lego spielen, und nicht nur mit Puppen am Herd. In der Schule sollten wir Mädchen bestärken, dass sie gut in Mathe und Naturwissenschaften sind und sie darin fördern. Auch zusätzliche Unterrichtsfächer oder AGs die sich mit Technik und oder Naturwissenschaften beschäftigen, führen dazu, dass sich Kinder generell früher damit auseinander setzen und dafür zu begeistern sind.

MINT-Fächer bieten hervorragende Jobchancen, die Unternehmen dieser Sparten sind die innovativsten und es bieten sich viele Möglichkeiten, die Zukunft aktiv mitzugestalten. Langfristig gesehen sind Jobs in den MINT-Fächern sehr sicher, da nur selten befristete Jobs ausgeschrieben werden. Die Zukunft in MINT ist weiblich, traut euch und uns Frauen endlich etwas zu!

Victoria ist 20, angehende Wirtschaftsingenieurin und verbringt ihre freie Zeit gerne mit Politik, Orchester oder genießt einen guten Wein.

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