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Bildung

Warum pinkes Spielzeug zu weniger Informatikerinnen führt

29th Mai '17

Die Zukunft ist digital. Sie wird vor allem von denjenigen geprägt werden, die den passenden Code dafür schreiben oder die Maschinen dafür entwickeln können. Ein Informatikstudium nehmen trotzdem nur wenige Frauen auf, ihr Anteil im Studiengang beläuft sich auf gerade 25%. Noch deutlicher zeigt sich die Situation bei den  Maschinenbauern oder den Elektrotechnikern wo gerade einmal 21% bzw. 15% Frauen sind.

Victoria hat in ihrem Blogpost bereits einiges an Vorurteilen und Kommentaren angesprochen, die Frauen in MINT-Fächern begegnen. Gefragt nach den Gründen warum Frauen keine Informatikerinnen, Maschinenbauerinnen oder Elektrotechnikerinnen werden ist die häufigste Aussage jedoch: „Es interessiert Frauen einfach nicht.“ Das Phänomen des Desinteresses ist gut dokumentiert. Selbst Frauen mit außergewöhnlichen mathematischen Fähigkeit streben im Durchschnitt eher einen Abschluss in Geistes- als in Naturwissenschaften an – für Männer gilt im Durchschnitt übrigens das Gegenteil1.

Ist es also möglich, dass Präferenzunterschiede zwischen Männern und Frauen biologisch begründet sind? Eine große Metaanalyse2 von über 400 wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema kommt zu dem Ergebnis, dass es für diese These keine ausreichenden Beweise gibt, sondern stattdessen der soziokulturellen Komponente eine große Rolle spielt. Obwohl die meisten Eltern heute in der Erziehung ihrer Kinder keinen Unterschied mehr machen, ob sie Töchter oder Söhne haben, gibt es gesamtgesellschaftliche Faktoren, die unabhängig von der Erziehung der Eltern einen großen Einfluss auf die Attraktivität der Naturwissenschaften für Mädchen und Frauen haben:

Unbewusste Vorurteile und fehlende Vorbilder

Wir alle verknüpfen unbewusst Wörter, Bilder und auch Berufe mit Eigenschaften. Das Wort „Krankenpflegepersonal“ löst bei den meisten Leuten spontane Assoziationen mit einer Krankenschwester aus, vielleicht noch zusätzlich mit einem Adjektiv wie beispielsweise „fürsorglich“. Nach einem ähnlichen Muster werden die meisten technischen oder naturwissenschaftlichen Berufe mit Männern verknüpft, während geisteswissenschaftliche, erzieherische oder künstlerische Berufe eher mit Frauen assoziiert werden. Das gilt übrigens auch für die Menschen, die wenn sie direkt darauf angesprochen werden, solche Stereotype bewusst zurückweisen. (Wen sein eigener impliziter Bias interessiert, der kann hier einen Test machen)

Wo ich niemanden sehen kann der so ist wie ich, dort kann ich mich auch selbst nicht sehen.

Das Phänomen der unbewussten Vorurteile beeinflusst die Einstellungen  der Menschen zu und das Interesse an bestimmten Themen. Gepaart mit dem Mangel an (sichtbaren) Vorbildern in den Naturwissenschaften und der Technik führt es dazu, dass Frauen sich weniger häufig für eine Karriere in den MINT Fächern interessieren als Männer. Denn wo ich niemanden sehe der so ist wie ich, dort kann ich mich auch selbst nicht sehen.

Selbsteinschätzung

Das Interesse einen bestimmten Beruf zu ergreifen hängt zu einem nicht unwesentlichen Teil davon ab, wie die eigenen Erfolgsaussichten in diesem Beruf eingeschätzt werden. Laut einer Studie3 der Stanford Professorin Shelley Correll neigen Mädchen dazu, ihre eigenen mathematischen Fähigkeiten geringer einzuschätzen als Jungen mit den selben Leistungen in der Mathematik. Darüber hinaus stellen sie deutlich härtere Anforderungen an ihre Fähigkeiten in mathematisch-naturwissenschaftlichen Fähigkeiten. Das heißt, um überhaupt einen mathelastiges Studium wie ein MINT-Fach in Erwägung zu ziehen, reichen gute mathematische Leistungen nicht aus, es müssen schon exzellente sein.

Pinkes Spielzeug

Es mag auf den ersten Blick etwas absurd anmuten, dass pinkes Spielzeug Frauen davon abhalten soll, ein Fach wie Informatik zu studieren. Deutlich absurder ist jedoch der Versuch, jedes Produkt für Kinder zwangsweise in „Für Mädchen“ (pink) und „Für Jungen“ (blau) unterteilen zu wollen und somit längst totgeglaubte Rollenbilder wieder zu beleben. Wir leben in einer Gesellschaft, die im Erwachsenenalter alles daran setzt, Männer und Frauen gleichzubehandeln, im Kindesalter jedoch fast segregationsartige Züge bei der Unterscheidung zwischen Mädchensachen  und Jungensachen annimmt. Durch die zwangsweise Unterscheidung auch bei eigentlich völlig geschlechtsneutralen Dingen wie Sandkastenschaufeln  werden Kinder in einem unglaublich beeinflussbaren Alter von der Werbeindustrie darauf konditioniert, dass nur die Dinge aus ihrem Farbenspektrum für sie geeignet sind. Es ist kein Wunder, dass sich diese Mädchen später nur schwer in Bereichen sehen können, die in ihrem Unterbewusstsein einen blauen Anstrich haben.

Kinder werden darauf konditioniert, dass nur Dinge aus ihrem Farbenspektrum für sie geeignet sind.

Hier müssen wir als Gesellschaft ansetzen, um uns nicht nur unserer eigenen unbewussten Vorurteile bewusst zu werden sondern auch daran arbeiten, dass weder Mädchen noch Jungen in ihrer Kindheit in Schablonen gepresst und mit einem Farbstempel versehen werden. Wir sind vielfältiger als „weiblich – pink – schlecht in Mathe“ und „männlich – blau – kann nicht über Gefühle reden“.

Nathalie hat mit 26 bereits das ein oder andere Jahr in der Politik verbracht und prüft jetzt hauptberuflich Finanzinstitute.